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Ein halbes Jahr in Frankreich (sogar in Übersee)
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Ein halbes Jahr leben wie ein französischer Jugendlicher und das ohne hohe Ausgaben für Sprachreise-Organisationen, ja, sogar mit
Zuschüssen. Wie das gehen soll?
Die Antwort gibt das Voltaire-Programm, ein staatlich unterstütztes Austauschprogramm, mit dessen Hilfe ich ein halbes Jahr voller
neuer Eindrücke und Erfahrungen in Frankreich verbringen konnte.
Das Prinzip ist einfach: Für die fünf bis sechs Monate im fremden Land bekommt man noch während seines Aufenthaltes einen pauschalen
Fahrtkostenzuschuss (der Distanz nach abgerechnet) und ein Kulturportfolio in Höhe von 250 Euro (für Theater- und Kinobesuche, Bücher und,
und, und).
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| Am belgischen Strand |
Eine große Familie |
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Nachdem man die für die Bewerbung nötigen Formulare ausgefüllt und einen eigenen, sich selbst und seine Umgebung vorstellenden
Brief geschrieben hat, wird ein passender Austauschpartner ausgesucht. Jeder der beiden Parteien bekommt den Brief des jeweils Anderen, sowie einige Informationen und Tipps für Schüler und Eltern
(zum Versicherungsabschluss und zum Umgang mit dem neuen Mitbewohner bzw. Familienmitglied). Die Ankunftsart und -zeit ist bis auf ein Zeitfenster völlig den Parteien überlassen, ist somit flexibel festlegbar und motiviert
zum ersten Kontakt über Brief und E-Mail. Zunächst kommt der französische Partner (der oder die Corres) von März bis August nach Deutschland, dann, nach einer eventuellen
Pause von 1–2 Wochen, geht der deutsche von September bis Februar an seinen Bestimmungsort, der nach Wunsch selbst auf Réunion liegen
kann. So sind die zwei während ihrer Aufenthalte zusammen und können sich gegenseitig unterstützen. Während der gesamten Zeit hilft einem das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) durch E-Mails mit Tipps und Erfahrungsberichten.
Man kann auch ehemalige Austauschteilnehmer kontaktieren und nach ihren Erfahrungen fragen.
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| Meine Corres (re.) mit deutscher Freundin (li.) |
Einer von zwei Schulflügeln |
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Ich für meinen Teil bin überglücklich, diesen Austausch mitgemacht zu haben. Zu sehen, wie gut und schnell sich meine Austauschschülerin
hier eingelebt hat, machte Spaß und Freude. Sie wurde während ihres Aufenthalts hier zu einem echten Mitglied meiner Familie, fand
Freunde und ging auch gerne mit aus. Auch meine Familie profitierte vom Kontakt mit ihr. Wir sprachen schnell auch über Unterschiede, später sogar über schwierigere
Themen, wie Politik. Es war erstaunlich, welche Fortschritte sie gemacht hatte bis zum Ende ihres Aufenthaltes hier.
Aber man lernt nicht nur die Sprache besser, vielmehr lernt man Kultur, Denk- und Lebensweise der anderen Nation kennen. In meinem halben Jahr lernte ich so das französische Schulsystem kennen: seine riesigen Lycées (Gymnasien), die zwar nur drei
Jahrgänge umfassen, dabei jedoch trotzdem weit größer sind als die unsrigen, seinen Bac-, der Wahl des Abiturzugs (Sprachen-,
Wirtschafts- und Wissenschaftszug), und Kurswahlen, seine sechzigminütigen Schulstunden und den durch Hohlstunden unterbrochenen
langen Schultagen. Ich habe auch Verschiedenes ausprobieren können, wie z.B. Escrime (Fechten), was wirklich richtig Spaß machen kann.
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| Beim Escrime |
Meine Corres und ich im Disneyland |
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Natürlich gab es da noch ganz andere Freizeitbeschäftigungen: Wir waren beim Bowlen, auch im Kino, besuchten das Disneyland
und ich sah den Eiffelturm sowie den Louvre in Paris; was natürlich nicht fehlen durfte, waren die Geburtstags- und zuletzt
Abschiedsfeiern. Mitzuerleben, dass in meiner Umgebung praktisch kein Franzose sich Gedanken machte, was er anschauen wird,
bevor er ins Kino ging oder, dass auf jeder Feier getanzt wurde, waren nur einige wundervolle Erfahrungen, die ich nie vergessen
werde. Auch Anderes, Unerwartetes war sehr interessant zu erfahren, wie, dass man in Nord-Frankreich das allabendliche Vesper in
dieser Form absolut nicht kannte, einige nicht einmal Brot mochten.
Nun aber genug von Frankreich, bevor ich unseren jetzigen Acht- und Neuntklässlern zuviel verrate. Nur eins noch: Diese Erfahrung ist es wirklich Wert, gemacht zu werden. Durch den Umgang wird man weit offener, toleranter
und selbstbewusster, selbst wenn man es schon vorher war, und es ist wirklich etwas Bleibendes, was einem keiner mehr nehmen kann.
Egal, was man später einmal macht, wird man seine gewonnenen Kenntnisse, Freunde und Bekannte immer wieder brauchen können.
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| Saint Nicolas |
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Wenn ihr Lust habt, ein solches Abenteuer zu starten, findet ihr hier weitere Informationen:
Sabrina Göschl, Juni 2008
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