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Auf den Spuren der Selección: In der Hauptstadt des Fußball-Weltmeisters
Studienfahrt des Spanisch-Kurses der Klassenstufe 12 nach Madrid (12.–16. Juli 2010)
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Ausgerechnet am Tag nach dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft kamen 21 Schülerinnen und Schülern mit ihren zwei Lehrern am
Madrider Flughafen Barajas an – ein oder zwei Stunden vorher war an der gleichen Stelle die spanische Nationalmannschaft,
die Selección, gelandet, die Stunden vorher die Mannschaft der Niederlande bezwungen hatte. Es war natürlich unvermeidlich, dass die
historischen und musealen Elemente des Besuchs- und Besichtigungsprogramms sich dem aktuellen Regiment der fußballerischen Begeisterung
unterwerfen mussten. Aber es fiel dann schon unter das große Thema "Landeskunde", was an spanischer Feierfreude und Spontaneität an
diesem Tage noch zu erleben war: Aus dem Hotelfenster war Puyol zu erkennen – der unsere deutsche Mannschaft aus dem Turnier köpfte –
außerdem Casillas – der immer mal wieder im Weg stand, wenn der Ball eigentlich ins Tor sollte – und natürlich Iniesta –
der den Holländern vier Minuten vor dem Beginn des Elfmeterschießens endgültig die Luft rausließ. "Gracias Iniesta, por ti estoy de fiesta." war
dann auch die erste Lektion, die die Lessing-Schüler zu lernen hatten, vorgetragen von einem begeisterten einheimischen Fan der Selección.
Im nächsten Schuljahr werden zum ersten Mal Schülerinnen und Schüler des Lessing-Gymnasiums eine schriftliche Abiturklausur im Fach Spanisch
schreiben. Und so war es nur natürlich, dass, im Sinne einer Vorbereitung von langer Hand, der Spanisch-Kurs der Klassenstufe 12 auf Studienfahrt
nach Madrid reiste. Spanischlehrer Christoph Mohr, der von der Referendarin Lena Willhauck begleitet wurde, hatte ein umfangreiches Programm
zusammengestellt, um sprachlich und thematisch den Stoff des Schuljahres ganz unmittelbar zu vertiefen. Zugegeben – die
Fußball-Nationalmannschaft stand so nun nicht auf dem Lehrplan – aber hätten Sie gewusst, warum niemand von den jungen Männern die
Nationalhymne mitsingt? Das wiederum ist Landeskunde, denn die Marcha Real hat keinen Text, weil man sich in Spanien mit den vier
Amtssprachen (Kastilisch, Katalanisch, Galicisch und Baskisch) bisher nicht auf einen solchen einigen konnte!
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| Die Weltmeister auf ihrem Weg durch die Straßen der Hauptstadt ... |
... unter Beobachtung der Lessing-Schüler. |
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Im Museo del Prado ging es auf die Suche nach Velázquez und Goya, den spanischen Großmeistern der Farbpalette. Ganz nebenbei findet
man dort auch noch Dürer und Bosch, Tizian und Raffael – und natürlich noch viel mehr tolle Künstler, was es auch schon wieder schwer
machte. Auch nicht viel übersichtlicher ist das Gewusel im historischen Zentrum, das eine Touristenführerin auf Spanisch zu erhellen
versuchte. Und dann gleich die nächste Lektion: Wie war noch mal der Beiname von Cervantes, dem Schöpfer des Quijote? Ach ja, der kämpfte in
der Schlacht von Lepanto, wo er die linke Hand verlor und also zum Einarmigen wurde: El manco de Lepanto.
Es ging dann geradezu in die Sommerfrische: Der Escorial, der Königspalast aus dem 16. Jahrhundert, liegt auf 600 m Höhe, Segovia, die
Provinzhauptstadt in Altkastilien mit dem römischen Aquädukt, liegt auf 1000 m Höhe: Es war immer noch heiß, aber verglichen mit Madrid ...
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| Vor dem Madrider Königspalast: Hier wurden drei Tage vorher Casillas, Iniesta, Torres & Co.
von König Juan Carlos empfangen! |
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Der Königspalast in Madrid, der Palacio Real, ist jünger, er stammt aus dem 18. Jahrhundert. Ihm fehlt die asketische Strenge Philipps
II. und er hat den Vorteil, dass er immer noch zum vorgesehenen Zweck genutzt wird, und zwar dann, wenn Juan Carlos das so wünscht. Das war
montags der Fall, als die Selección ankam, und wir kamen drei Tage zu spät – kein König, keine Kicker – so was Dummes aber auch!
"Wer gefällt Dir denn am besten?" fragte die spanische Touristenführerin, doch mit der Antwort "Sergio Ramos" war sie dann nicht zufrieden,
der war ihr zu jung – ja, ihr vielleicht!
Was noch fehlte, war die Kunst des 20. Jahrhunderts im Reina-Sofia-Museum: Dalí, Miró und natürlich Picasso, dessen acht Meter langes
Guernica einem schier die Sprache verschlug. Die Schrecken des spanischen Bürgerkrieges führt es vor Augen und wir müssen es zulassen:
Hier schließt sich der Kreis, denn es war die deutsche Legion Condor, die auf Befehl Hitlers 1937 dieses baskische Städtchen nahezu vollständig
zerstörte.
Es gab also viel zu sehen in Madrid, zu hören, und natürlich zu erleben, denn schließlich gibt es nicht nur Kulturprogramm, sondern auch –
Nachtleben! Zwar ist die Zeit der Movida vorbei, aber das heißt ja nicht, dass die Madrilenen nun um 22 Uhr die Bürgersteige hochklappen! Die
landeskundlichen Erkenntnisse trafen also auch danach noch auf einprägsame Weise ein, aber mit den diesbezüglichen Details wollen wir unsere Leser nun nicht langweilen!
Christoph Mohr
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